Bündnis@Terz II: Schlichtung im Uni-Streik: Viel erreicht, viel zu tun!

Nach Abschluss des Streiks hat wieder jemand aus unseren Reihen den aktuellen Stand und die weiteren Perspektiven  in der Düsseldorfer Stattzeitung „Terz“ zusammen gefasst.

„Nach über einem Jahr erbittert geführter Kämpfe ist mit der Anfang September erzielten Schlichtung endlich Bewegung in die Auseinandersetzung um mehr Personal an den Unikliniken Düsseldorf und Essen gekommen. Die Vereinbarung zwischen der Gewerkschaft ver.di und den Vorständen des UKD und UKE ist ein klarer Erfolg der kämpferischen Belegschaften. Trotzdem bleibt dieses Ergebnis nur ein Etappensieg auf dem Weg zu strukturellen Veränderungen und einem grundlegenden Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem.“

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Nach dem Streik ist vor dem Streik

Der Streik der Beschäftigen am Universitätsklinikum Düsseldorf ist mit der Schlichtung beendet. Nicht beendet sind die Auseinandersetzungen für die Beschäftigten der Töchtergesellschaften — hier gibt es nach wie vor keinen Tarifvertrag. Im Rahmen der Schlichtung wurde von Seiten der Geschäftsführung zugesagt, dass es in Kürze Verhandlungen dazu geben soll. Ob diese Versprechen eingehalten werden, bleibt abzuwarten.

Für uns sind die Auseinandersetzungen um ein besseres Gesundheitssystem und mehr Personal im Krankenhaus nicht abgeschlossen. Die Uniklinik ist nicht das einzige Krankenhaus in Düsseldorf und die Bedingungen sind selbst dort weiterhin schlecht. Wir machen weiter!

Bündnis@Terz: Krankenhaus im Streik

Anlässlich des Streiks im Uniklinikum gibt es aus unseren Reihen einen Artikel in der Düsseldorfer Stattzeitung „Terz“:

Krankenhaus im Streik!

„Bewegung für Entlastung“ bewegt was, für alle!

Nicht neu ist die Erkenntnis, wie miserabel die Bedingungen in der Pflege sind. Die dort Beschäftigten ackern sich seit Jahren ab die Öffentlichkeit zu überzeugen, dass es sich um eine gesellschaftliche und soziale Frage handelt. Und sie haben Erfolg damit: Kaum eine soziale Bewegung der letzten Jahre hat so viel Widerhall und Unterstützung gefunden.

Mit der Kommerzialisierung/Ökonomisierung des Gesundheitswesens seit etwa Anfang der 1990er Jahre begann ein Prozess der sozialen Verheerung: Wer erinnert sich nicht an die Praxisgebühr, oder die Aufhebung der Beitragsparität bei der Krankenversicherung. Dieser Prozess führte auch zu einer Kommerzialisierung der Pflege als solcher und verwandelte z. B. Krankenhäuser in Fabriken. Fabriken, in denen ein bestimmtes Ding – die Gesundheit von Menschen – dem Profitmachen dienen soll. Wo anhand einer bestimmten Organisationsform eine Menge Menschen (Pfleger*innen, Ärzt*innen, Reinigung, Küche, Technik uvm.) unter Zurhilfenahme von notwendiger Technik (Gebäude, Maschinen usw.) zu einer bestimmten Arbeit angehalten werden. Wenn dieser „Mechanismus“ sich entsprechend fortentwickelt hat und halbwegs sinnig funktioniert, soll am Ende mehr Geld rauskommen, als hineingesteckt wurde. „Noch zwei Frühchen, und wir sind in den schwarzen Zahlen“ fasst eine kaufmännische Direktorin eines noch nicht mal privatisierten Krankenhauses diesen Ökonomisierungsprozess in Worte. Möglichst viele Fälle müssen in möglichst kurzer Zeit mit möglichst geringem Aufwand und Kosten durchgeschleust werden. Dann stimmt die Bilanz!

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Laschet muss Verantwortung übernehmen! Demo am Donnerstag, 16. August

Der abrupte und indiskutable Gesprächsabbruch durch die Arbeitgeberseite am gestrigen Dienstag hat gezeigt: Die Situation muss politisch gelöst werden. Das Land NRW ist für die Unikliniken in Düsseldorf und Essen verantwortlich, die zuständige Ministerin duckt sich weg. Daher ziehen wir morgen gemeinsam zur Staatskanzlei: Der Ministerpräsident steht jetzt in der Verantwortung!

Die Streikenden der Unikliniken Essen und Düsseldorf rufen zu einer gemeinsamen Demonstration auf. Treffpunkt ist um 9:00 Uhr am Moorenplatz. Startzeit der Demonstration wird um 9:30 Uhr sein.

Neu dabei: Bündnis in Essen

Am vergangenen Samstag, 28. Juli hat sich auch in Essen ein Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus gegründet. Die Kolleg*innen in Essen unterstützen den Streik am dortigen Uniklinikum und darüber hinaus andere Einrichtungen im Bereich Gesundheit und Pflege. Infos gibt es auf der Essener Webseite,  Links zu allen anderen Bündnissen bundesweit findet ihr hier.

Viel Erfolg!

Der Streik geht weiter!

Vier Tage wurde versucht, mit dem Arbeitgeberverband (TdL) und Vorstandsmitgliedern der Uni-Kliniken Düsseldorf und Essen zu verhandeln – ohne Erfolg. Von Seiten der Arbeitgeber scheint die völlige Blockade gewünscht zu sein. Daher haben sich die Beschäftigten letzte Woche entschieden, den Streik weiter zu führen: Bis es zu Verhandlungen kommt, an deren Ende zusätzliche Stellen und ein Konsequenzenmanagement steht. Vor allem letzteres ist wichtig, damit für alle Beteiligten klar und transparent ist, was passiert, wenn der verabredete Personalschlüssel nicht eingehalten wird.

Ab Montag, 30. Juli bis Freitag, 3. August wird das Uniklinikum bestreikt! Wir unterstützen die Kolleg*innen auch weiterhin! Ihr könnt das auch tun! Meldet euch bei uns oder kommt zum Streikzelt an der Moorenstraße.

Aktuelle Infos bei ver.di Krankenhausnetz NRW@facebook

Streikende der Uniklinik demonstrieren vor dem Landtag

Demonstration Landtag 12. Juli 2018
Demonstration Landtag 12. Juli 2018. Foto: Kathrin Biegner/DGB.

Für uns ist der aktuelle Pflegenotstand ganz klar ein Ergebnis von fataler Gesundheitspolitik. Auch der aktuelle Streik an der Uniklinik Düsseldorf zeigt, dass sich die verantwortlichen Personen in der Politik wegducken

  1. Die Uniklinik fällt in den Zuständigkeitsbereich der NRW-Wissenschaftsministerin.
  2. Dass der Klinikvorstand und die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) sich Verantwortlichkeiten abwechselnd hin- und herschieben wie es ihnen gerade passt zeigt, dass das Land NRW als Teil der TdL mitten drin steckt in den Tarifauseinandersetzungen.

Das haben die Beschäftigten, die nach wie vor im Streik sind heute vor dem Landtag klar gemacht: Mehr Personal! Jetzt!

Wir unterstützen den Streik und wünschen den Kolleg*innen weiterhin viel Mut, Durchhaltevermögen und Erfolg!

Bilder von der Demo auf den Seiten des DGB NRW und bei facebook.

WDR 5 Feature: Missstände an der Düsseldorfer Uniklinik

Der WDR hat vor einigen Wochen das ganze Dilemma der Pflegesituation in einem Beitrag zusammengefasst. Darin wird deutlich, dass nicht nur die Arbeitssituation der Pflegenden unerträglich ist, sondern der Normalzustand an der Uniklinik lebensgefährlich für die Patient*innen ist.

Auch aus diesem Grund befinden sich die Pflegenden an der Uniklinik Düsseldorf und anderswo im Streik: Für mehr Personal, für bessere Bedingungen für die Beschäftigten und sichere, gute Pflege für alle Patient*innen.

Zum Beitrag

Proteste bei der Gesundheitsminister*innenkonferenz in Düsseldorf

Am 20. Juni fand die Konferenz der Gesundheitsminister*innen in Düsseldorf statt. Das haben 4000 Beschäftige aus Pflege und Gesundheit, Patient*innen, Angehörige und Betroffene genutzt, um den Verantwortlichen laut und deutlich klar zu machen: Wir brauchen mehr Personal!

Eine großartige Demo! Hier ein kleiner Rückblick: ver.di Krankenhausnetz NRW auf facebook und ein schönes Video von der Nachhilfe, die der Gesundheitsminister bzgl. der Situation in Krankenhäusern bekam.

Einige Berichte aus der Presse:

 

Unsere Erwiderung zu dem Offenen Brief der Leitung der Uni-Klinik an Ver.di

Das Düsseldorfer Bündnis ist ein Zusammenschluss von Menschen aus Düsseldorf und Umgebung, denen eine gute Versorgung im Krankenhaus am Herzen liegt. Als Patient*innen oder Angehörige hoffen wir bei Krankheit und Verletzung auf zeitnahe, bedarfsgerechte, kompetente und freundliche Behandlung und Versorgung. Dieses für alle sicher zu stellen, erachten wir als eine öffentliche Aufgabe.

Wir sind verwundert, dass die Leitung der Uniklinik einen offenen Brief an Verdi verfasst und in der Rheinische Post inseriert, um die Gewerkschaft aufzufordern, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Dabei finden seit einigen Monaten Verhandlungen zwischen Verdi und dem Uniklinikum, die nach unserem Kenntnisstand allerdings zu nichts Verwertbarem geführt haben.

Die Warnstreiks der Beschäftigten der Uni-Klinik sowie der beiden Töchter laufen seit September letzten Jahres. Spätestens seit dem ist bekannt, was die Kollegen*innen in der Pflege umtreibt: Die unerträgliche Personalsituation auf den Stationen, die die Gesundheit von Patient*innen und Mitarbeiter*innen gefährdet. Dies ist hinreichend und ausführlich beschrieben worden. Kürzlich erst ist die Uniklinik wegen schwerwiegender Mängel in der Hygiene in die Schlagzeilen geraten.

Es ist eine Farce, wenn sich die Klinik-Leitung nun an Verdi wendet um Verantwortung einzufordern.

Der Verweis auf einen angeblichen Verstoß gegen geltendes Landesrecht ist in zweierlei Hinsicht eine versuchte Täuschung. Erstens: Wie hundertmal erläutert, handelt es sich bei einem Tarifvertrag Entlastung um einen bisher nicht tarifierten Sachverhalt, berührt also keineswegs existierende Tarifverträge. Zweitens: Die Kollegen*innen der ausgegliederten Tochterfirmen UKM u GKD kämpfen seit noch viel Längerem überhaupt erstmal für einen schnöden Tarifvertrag, der ihre grundlegenden Arbeitsbedingungen verbessert. Nachdem was die Kollegen*innen uns berichten, ist die Personaldecke dort auch keinen Deut besser. Der Stress und das Chaos in der Reinigung und beim Transport ist der Normalzustand und sorgt keineswegs für Entlastung.

Als zynischen Affront muss man den Hinweis auffassen, dass seit 2016 80 Vollzeitstellen geschaffen wurden, und dies als „personelle Stärkung der Pflege“ bezeichnet wird. Wie viele Pfleger*innen haben im gleichen Zeitraum die UKD verlassen? Wie viele Menschen arbeiten derweil in der Pflege am UKD? 80 Stellen sind nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Die 80 Servicekräfte, die die Klinikleitung als weiteres Plus erwähnten, arbeiten nach unserer Kenntnis bei einer der ausgegliederten Tochterfirmen, meist in Befristung und in zersplitterten Tagesschichten. Von einem Tarifvertrag weit entfernt.

Nach alle dem haben die Kollegen*innen der UKD sowie den Töchtern jedes Recht der Welt zu streiken. Wir bewundern den Mut und die Kraft der Kolleg*innen wieder in die Auseinandersetzung zu gehen. Ihnen gehört unsere volle Solidarität!

Wir werden alles tun, was in unseren Kräften steht, diese Auseinandersetzungen zu einem Erfolg zu führen, für die Kollegen*innen, für die Patienten*innen, für die ganze Stadt.

Die Aufgabe der Uniklinik-Leitung ist es, eine ordentliche Notdienstvereinbarung zu verhandeln, keine so schlechten Offenen Briefe zu schreiben, die ganz und gar nicht der Erhellung dienen. Die Frage, was so eine Anzeige in der RP kostet, lassen wir diesmal weg.

Pflege und Gesundheit sind keine Ware.